Geglättete Version
Ich bin ein wenig sauer, denn ich habe gerade eine dreiviertel Stunde an einem Blogeintrag geschrieben und dann kam jemand rein, wir haben geredet, mein Interesse wurde geweckt und natürlich habe ich angefangen zu googeln. Dabei habe ich den Entwurf gelöscht. Das frustriert mich sehr, deswegen wird dieser Eintrag kürzer, weil ich nicht noch mal so viel Zeit habe, bevor ich ins Bett gehe.
Ich merke, dass mein ADHS gerade nicht gut im Griff ist. Wie oben beschrieben vergesse ich immer noch Kleinigkeiten. Das ist oft nicht schlimm, aber wenn eine dreiviertel Stunde Arbeit verloren geht oder wenn es um Wochendienste in der WG geht, wäre es schön, wenn ich das zuverlässiger hinbekäme. Diese Aufgaben sofort einzuplanen fällt mir schwer, und dieses impulsive Handeln aus dem Effekt passiert mir weiter. Da muss ich mehr in meine Impulskontroll Übungen investieren, wie sie im ADHS Buch beschrieben sind. Das nehme ich mir für diese Woche vor.
Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich mich mit den Tagen verrechnet habe. Heute ist Tag 42, und ich habe keine Lust herauszufinden, wo der Fehler passiert ist. Also lasse ich es einfach so stehen. Mein innerer Kritiker darf damit leben.
Der Samstag war sehr schön. Vormittags habe ich mich noch einmal mit ADHS und Getting Things Done beschäftigt und mir angeschaut, wo meine aktuellen Engpässe bei Aufgaben Tracking, Reflektion und Zeitmanagement liegen. Ein großes Problem ist, dass ich mich aufs Handy verlassen habe, es aber oft nicht bei mir habe. Timer funktionieren dann nicht. Langfristig werde ich mein Handy normalerweise wieder dabei haben, aber vielleicht ist eine digitale Uhr oder ein Fitbit sinnvoll, damit Timer einfacher einzustellen sind. Meine jetzige Uhr kann nur Stoppuhr und Wecker und der Wecker ist zu umständlich zu bedienen. Ich setze jetzt stärker auf meinen Papierkalender für tägliche To Dos und habe meine wöchentliche Liste ebenfalls auf Papier, damit ich schneller nachschauen kann, wenn ich mich orientieren möchte. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass das hilft.
Der Nachmittag und Abend waren ebenfalls schön. Ich habe mit Menschen telefoniert, die mir wichtig sind. Eine Erkenntnis war, dass ich definitiv wieder mehr Spieleabende in mein Leben holen möchte, wenn ich aus der Reha raus bin, egal ob mit Familie oder Freunden. Das ist eine unterschätzte Ressource. Einmal im Monat wäre ein guter Rhythmus. Ideen und Anregungen nehme ich gern. Vielleicht auch etwas Digitales wie Jackbox. Eine andere Erkenntnis war, dass Offenheit und Verletzlichkeit anderen Menschen oft etwas gibt. Ich wusste das, aber es live zu sehen war trotzdem wertvoll. Gleichzeitig muss ich aufpassen, dass ich mich nicht überlaste und meine Grenzen wahre.
Abends wollten wir zu einem Poetry Slam, aber ich habe nicht gemerkt, dass der Termin aus 2024 war. Wir standen also vor einem geschlossenen Gebäude. Peinlich, aber irgendwie lustig. Wir sind danach nach Homburg gefahren, in denselben Spieleladen wie letzte Woche, und sind diesmal länger geblieben. Wir haben Dominion und Gwent gespielt. Dominion hat mir so gut gefallen, dass ich es mir irgendwann kaufen möchte, weil es strukturiert, vielseitig und leicht zu lernen ist. Gwent war interessant und hat Lust auf Witcher 3 gemacht, aber ich konnte mich gut distanzieren. Das war eine gute kleine Exposition.
Das einzige Manko des Abends war, dass es im Café "Brett und Bohne" keine veganen warmen Snacks gab. Weil es eine Geburtstagsfeier war, bin ich auf vegane Gummibärchen ausgewichen und das war viel zu viel. Ich hatte einen extremen Zuckerschock, wie seit Jahren nicht mehr. Dadurch konnte ich eine dreiviertel Stunde nicht einschlafen und den Blog nicht schreiben. Deswegen der Nachtrag heute.
Heute, Sonntag, erster Advent, bin ich früh und mit viel Unruhe aufgewacht, obwohl ich eigentlich ausschlafen wollte. Ich konnte nicht wieder einschlafen und habe eine halbe Stunde lang Brettspielideen mit therapeutischem Inhalt notiert, weil mein Kopf nicht zur Ruhe kam. Das war eine interessante Erfahrung. Ich habe sie direkt in mein Suchtmodell eingeordnet, weil diese Form von innerem Druck auch viel mit Impulsen zu tun hatte. Vermutlich lag es am Zucker, deswegen mache ich wieder eine lange Pause von Snacks.
Die Arbeit am Suchtmodell war sehr wertvoll. Dabei wurde mir bewusst, wie früh ich tatsächlich mit Computer und Spielen in Kontakt kam. Erinnerungen an alte SEGA Spiele wie Teenage Mutant Ninja Turtles sind hochgekommen. Und ich erinnere mich an die blau weiße Wolkentapete aus unserer Wohnung in Usbekistan. Spannend, weil ich dachte, ich hätte erst viel später angefangen zu spielen. Ich habe auch kurz an Oma Rosa gedacht. Das war traurig, aber gut.
Am Nachmittag habe ich meine Notfallkarte überarbeitet, weil mein Suchtdruck in letzter Zeit wieder steigt. Von 1 letzte Woche auf regelmäßige 4 jetzt. Nicht extrem, aber genug, dass ich die Karte wieder aktiv üben will. Ich mache das ab jetzt einmal täglich. Parallel habe ich einem Mitpatienten geholfen, der nächste Woche geht. Wir haben seinen Notfallkoffer und seine Karte durchgesprochen und daraus wurde ein kleines Intensivseminar zu Emotionsregulation, Suchtmodell, Suchtgedächtnis und DBT. Drei Stunden, aber okay. Es war eine der Personen, die mir hier wichtig sind, und wir hätten früher oder später ohnehin darüber gesprochen. Außerdem war der Austausch über Mediensucht und Pornografie sehr wertvoll. Und ich bin dankbar für alle, die damit gut umgehen und das hier lesen.
Nach dem anstrengenden Tag war ich zwei Stunden in der Sauna. Die Pausen haben mich inspiriert, weiterzuschreiben. Ich habe einen Brief an mein Sucht Ich verfasst, teilweise mit Abschiedselementen, und die Erkenntnisse aus dem Suchtprotokoll einfließen lassen. Das war intensiv und emotional. Irgendwann bin ich in einen Flow gekommen und habe beschlossen, daraus ein Gedicht zu machen.
Zum Abschluss des Tages hatten wir eine Rehabilitantengruppe mit einer Verabschiedung. Ich habe positives Feedback bekommen. Mir wurde gespiegelt, dass ich weicher und offener geworden bin und dass meine Verletzlichkeit in Gesprächen viel zugänglicher wirkt. Ich möchte das weiter pflegen.
Das war der Tag in Kurzform.
Meine Ziele für die nächste Woche:
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das Suchtmodell fertigstellen und im Einzel besprechen, zusammen mit Ampel und Notfallkarte
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die Notfallkarte täglich üben und laminieren
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meine Routinen und Gewohnheiten ins neue System übertragen und schauen, ob die Wochenziele funktionieren
Andere kleinere Ziele gibt es auch, aber das sind die wichtigsten. Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und danke fürs Lesen.