Heute ist mir ein Malheur passiert. Ich hatte heute einen frühen Start in den Arbeitstag, weil ich von 11 bis ca. 17 Uhr gearbeitet habe.
Den Großteil des Tages habe ich Taubenspitzen angebracht, weil wir ein Taubenproblem im Innenhof haben. Zwischendurch hatte ich jedoch wieder Kontakt mit dem Vorgesetzten, genauer gesagt, der seine Schwierigkeiten mit mir hat. Er gibt sich viel Mühe, nach dem Gespräch, das er mit mir und wahrscheinlich auch noch einmal mit der Geschäftsführung hatte, seine Probleme mit mir zu verstecken/ nicht an mir auszulassen. Leider ändert das nichts daran, dass ich mir eingestehen musste, dass ich noch immer regelmäßig am Arbeitsplatz Angst habe; ich fühle mich kontrolliert, geprüft und verurteilt, obwohl ich weiß, dass ich nichts zu befürchten habe von Seiten der Geschäftsführung und hinsichtlich der Jobsicherheit.
Es sind einige Dinge passiert, und ich weiß jetzt, dass ich nicht mehr bleiben kann, ich kann meinem Job nicht mehr nachgehen. Ich habe noch nicht gekündigt aber ich werde es bald tun. Ich fühle mich enorm unter Druck gesetzt und angespannt, sobald der Vorgesetzte im Haus ist, unabhängig davon, ob ich etwas tue, bei dem ich mir unsicher bin oder sicher bin( um ehrlich zu sein die meisten Dinge kann ich schon im Haus und binir bei diesen sicher was Teil des Problems uns ein scheint).
ich bin heute, ohne dass es einen großen externen Trigger gab oder intensives Fehlverhalten meines Vorgesetzten, zu der Einsicht gekommen, dass ich so nicht mehr weiter kann. Es fällt mir sehr schwer, meine Abstinenz aufrechtzuerhalten und zu erkennen, wie ich mich fühle, was ich will, und mich nicht im Konsum zu flüchten. Die letzten vier Tage haben mir dank Familie, und meiner Freundin sehr geholfen, wieder etwas zu mir zu finden. Dabei habe ich gemerkt, wie gestresst und angespannt ich in meiner beruflichen Situation bin.
Als ich aus der Reha entlassen wurde, war meine oberste Priorität Nüchternheit und Stabilität. Fakt ist, dass ein Arbeitstag mich aktuell destabilisiert. Ja, nicht alle Aufgaben in meinem Alltag gefallen mir und sind unangenehm, aber es sagt viel aus, dass ich lieber Taubenguano entferne und Taubenspitzen anbringe, als mich in einem Raum mit meinem Vorgesetzten zu befinden.
Dass ich studiert habe und über andere Kompetenzen verfüge, steht hier gar nicht im Raum, u.A. da mir durch die Geschäftsführung signalisiert wurde, dass aktuell kein unternehmerischer Bedarf für diese Kompetenzen besteht. Das kann ich verstehen und damit habe ich keinerlei Probleme, solange ich mich im Alltag noch einbringen kann, was mir aber zunehmend schwerer gemacht wird. Vorschläge werden als Kompetenzüberschreitung dargestellt, und eigenmächtiges Handeln ohne Absprache mit anderen Verwaltungskräften, wie z. B. der Einkauf von Pflastern, führt dazu, dass ich einen 15-minütigen Vortrag darüber bekomme, wie ich die Autorität einer Führungsperson untergrabe und gegen sie arbeite.EntscheidungKurz gesagt habe ich mich heute dafür entschieden, zu kündigen.
Das heißt nicht, dass ich gekündigt habe, sondern dass ich den Schritt in meinem Kopf getan habe, zu merken: mein jetziger Arbeitsplatz ist kein sicherer Arbeitsplatz mehr. für mich (emotional), und ich brauche etwas anderes, damit ich mich persönlich stabilisieren und an einer gesunden Zukunft für mich arbeiten kann. Das heißt, ich mache mir eine finanzielle Übersicht, gucke, wie weit ich in meinem Lebensstandard runtergehen kann, und suche nach anderen Tätigkeiten. Natürlich ist es nicht besser so, aber ich suche jetzt nicht nach dem perfekten neuen Job oder Karrieremöglichkeiten, sondern einfach nur nach einem neuen Job, der ungefähr auf gleicher Ebene ist. Im besten Fall ist es besser; wenn es jetzt in Form von Teamleitung oder Assistenz ist, kann ich damit sehr gut leben. Ich riskiere dann, dass es andere unangenehme Kollegen und Führungskräfte gibt, aber ich will nicht mehr im Kino arbeiten. Das Ausmaß an Stress und Unwohlsein, das ich verspüre bei dem Gedanken, zur Arbeit zu gehen und meinem Vorgesetzten zu begegnen, kann ich mir nicht mehr gutreden im Rahmen der Schwierigkeiten der aktuellen wirtschaftlichen Situation.Ich habe der Geschäftsführung mitgeteilt, dass es an der Zeit ist, nach einer neuen Serviceleitung zu suchen, und dass ich anfange, mich aktiv auf Jobsuche zu begeben.Ich kann mir vorstellen, noch einmal runterzugehen mit den Stunden, und dass das mir die Zeit im Kino noch ein bisschen erträglicher macht, aber das wäre genau das – etwas „Erträglicheres". Im Endeffekt habe ich heute gesehen, dass ich meine Grenze erreicht habe und es nicht mehr tragen kann, und doch nicht in der Lage bin, zwischenmenschlich Grenzen zu setzen oder auszuhalten, wie das Betriebsklima gerade im Kino ist. Ich sehe weder den Veränderungswillen noch Ansätze für positive Veränderungen im Rahmen der Mitarbeiterkultur, weil mein Vorgesetzter die gesamte Stimmung im Unternehmen negativ beeinflusst. Ich sehe es nicht mehr in meiner Aufgabe oder meinen Ressourcen, dagegen zu arbeiten. Es kostet mich zu viel Kraft und bringt fast nichts, und persönlich entwickle ich mich damit auch nicht weiter. Was gefüttert wird, ist mein Konsum und meine Aushalte-Mentalität um eine Realitätsflucht. Ich habe heute gesehen, dass es ausgeschriebene Stellen gibt für eine stellvertretende Filialleitung für einen Rewe und einen Lidl; ich werde mir ein Zeugnis ausstellen lassen und mich darauf bewerben.AusblickMorgen fahre ich erstmal nach Limburg und habe dort meine zweite Einarbeitung als Vertretung für die dortige Theaterleitung. Ich werde das natürlich durch eine andere Brille sehen und natürlich mein Bestes geben. Na ja, indirekt wurde mir gefragt, ob ich mir die Stelle dort vorstellen kann, was ich bezweifle, da alles viel zu weit weg ist. Keine Ahnung, was die aktuellen Mietpreise in Limburg sind, aber es ist zu weit entfernt von allen Freunden, Verwandten und Bekannten, die ich habe.Vielen Dank fürs Lesen, ich wünsche einen schönen Abend.