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9.02.2026 |17. Woche. | 114. Tag ein zweiter Rückfall

Gestern habe ich nicht geschrieben, weil es am Ende doch sehr spät wurde.

Spät wurde es, weil ich nach der Mitgliederversammlung von Rotaract noch ein Orga-Meeting fürs Kidscamp hatte. Beides war geplant. Was nicht geplant war, ist, dass ich beim Kidscamp eine Aufgabe übernommen habe, die eigentlich zur Helferkoordination gehört. Die verantwortliche Person steckt gerade in der Klausurphase, es wird zeitlich knapp, und meine Begeisterung und mein Engagement sind mit mir durchgegangen. Das führte dazu, dass ich nach dem Meeting selbst noch mehrere To-dos erledigen wollte.

Dabei war der Tag davor schon lang. Fitnessstudio, Sauna, Familienbesuch, ein langes Telefonat, die Kurzversion der Wochenplanung und die Meetings. Ich hatte also wenig Energie und habe trotzdem Verantwortung übernommen, die ich mir vorher ausdrücklich vorgenommen hatte, nicht zu übernehmen. WTF tue ich da?

Das Ergebnis war, dass ich abends erschöpft und überfordert vor Papierkram und Formularen saß und mich einfach etwas besser fühlen wollte, um noch mehr To-dos erledigen zu können. Spätestens seit Mittwoch hätte ich wissen müssen, dass das eine richtig dumme Idee ist. Offensichtlich habe ich es nicht gewusst. Also habe ich ein Kapitel einer Light Novel gelesen. Ausgerechnet eine, die ich vor der Reha pausiert hatte. Es gibt dort ein Backlog von über 70 Kapiteln. Statt um 23 Uhr aufzuhören und dann noch Tattoos zu machen, habe ich bis fast 4 Uhr morgens gelesen.

Am nächsten Tag bin ich nicht zum Sport gegangen, nicht in die Sauna, und habe sogar jemanden unbewusst versetzt. Das nenne ich Kontrollverlust mit negativen Konsequenzen. Ein kleiner Trost war, dass ich ausgeschlafen war und mir genug Zeit blieb, mich gut auf die Arbeit vorzubereiten, in den Tag zu starten und den Rückfall aufzuarbeiten.

Genau das war heute auch das zentrale Thema, vom Aufstehen bis nach der Arbeit.

Ich habe einige Änderungen an meiner Ampel und an meiner Herangehensweise an Medienkonsum im Gelbbereich vorgenommen. Ich werde jetzt erstmal eine Woche komplett pausieren, alle anderen verfügbaren Ressourcen ausprobieren und aushalten, wenn es unangenehm wird. Danach werde ich schrittweise testen, ob Lesen, Schauen oder Hören wieder möglich ist.

Ich bin vor allem frustriert, weil ich weiß, dass dieser Rückfall sehr wahrscheinlich nicht passiert wäre, wenn ich den Rückfall vom 4.2. konsequent und vollständig aufgearbeitet hätte.

Der heutige Tag lief den Umständen entsprechend gut.

Gleich morgens habe ich versucht, mit jemandem darüber zu sprechen. Telefonisch habe ich niemanden erreicht, also habe ich einen Eintrag in der Selbsthilfegruppe geschrieben und angefangen, mich damit auseinanderzusetzen. Der Impuls, mich „ordentlich“ mit dem Rückfall zu beschäftigen und deshalb nicht zur Arbeit zu gehen, kam auch hoch. Mit Hilfe eines Freundes und seinem klaren Rat konnte ich diese Schnapsidee schnell einordnen und verwerfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Auf der Arbeit war ich dann sehr produktiv. Es gab einiges zu tun, ich habe alle Tages-To-dos geschafft und sogar noch ein paar Punkte aus den letzten Tagen aufgearbeitet. Für morgen bin ich ebenfalls gut vorbereitet. Nach dem Kino habe ich noch mit einem Kumpel telefoniert. Abends habe ich gekocht und mich dann dem Rückfallprotokoll und der Selbsthilfegruppe gewidmet.

Der Rückfall vom 4.2. ist jetzt komplett aufgearbeitet. Der vom 8.2. braucht noch etwas mehr Zeit. Das hat morgen früh höchste Priorität. Überraschenderweise haben beim Schreiben des Protokolls deutlich mehr Faktoren eine Rolle gespielt als nur die vom 4.2. Ein zentrales Thema ist, dass ich mir meine Haltung zum Kidscamp und zu meiner Entscheidung, keine neuen Verantwortungen zu übernehmen, wieder viel klarer vor Augen führen muss. Ein weiteres ist, dass ich mein Engagement in Bereichen, die aktuell nichts mit Stabilisierung zu tun haben, deutlich drosseln will. Und ganz wichtig: Ich werde meinen Medienkonsum nach 22 Uhr komplett einstellen und mir meine Regeln und die Ampel morgens bewusst vor Augen führen. Ich habe das Gefühl, dass mir trotz täglicher Erinnerung, warum ich abstinent sein möchte, aus dem Blick gerät, wie ich neue Ressourcen aufbaue, wie ich mit meinen Grenzen umgehe und wie fragil meine Strukturen noch sind. Gefühlt fallen sie auseinander, wenn ich nicht aktiv dran denke. Kleine Dinge, die sich schon wie Gewohnheiten angefühlt haben, brechen dann weg. Das kann an Überforderung liegen, an der Umgebung oder an ADHS. Auf jeden Fall ist es anstrengend. Ich bin sehr dankbar für die Strukturen, die ich habe, merke aber, dass ich noch mehr Zeit brauche, um sie wirklich zu stabilisieren. Dafür ist die Wiedereingliederung da. Ich habe mich zu sehr auf vermeintliche Gewohnheiten verlassen. Vielen Dank fürs Lesen und einen guten Start in die Woche.

Morgen Abend ist die Neujahrsfeier vom Kino, das heißt, ich werde definitiv länger unterwegs sein. Am Mittwoch plane ich entsprechend auszuschlafen