Stand heute:
Ich bin aktuell ein bisschen überfordert. Eigentlich läuft alles gut. Ich mache meine Sachen, bleibe am Ball, aber irgendwie ist die Luft raus.
Meine 30-minütigen Check-ins heute zeigen, dass in dem Großteil der Fälle, wenn ich reinfühle, erstmal keine Emotionen da sind und es darum geht zu funktionieren. Wenn ich dann tiefer reinfühle, kommt viel Frust raus. Wenn ich den Frust beiseite lasse, bin ich wieder bei Neutralität. Das ist alles okay und ich mache das Richtige, was sich unheimlich falsch in mir anfühlt. Ich warte darauf, dass es gewohnt wird und nicht mehr so fremd ist. Ich vertraue darauf, dass ich die Sachen gut auf den Weg gebracht habe und mir die notwendigen Gewohnheiten, Disziplin und Fähigkeiten beständig aufbaue.
Es kann nicht nur gute Tage geben. Wobei ich aktuell wahrscheinlich am meisten unter einer Zielosigkeit leide. Alles ist auf dem Weg. Täglich dran bleiben und mir die Abstinenzvision vorstellen.
Ein großes Minus heute ist, dass ich den Termin mit der Sozialarbeiterin verpasst habe, weil ich ihn morgens nicht richtig in meinen Kalender übertragen habe. Das hat gezeigt, wie wichtig meine Hilfsmittel und Gewohnheiten sind. Es ist kein Schaden entstanden, aber es war ein wichtiger Termin und trotz Medikamenten habe ich ohne den Kalender überhaupt nicht daran gedacht. Das ist sogar gut, da ich hier weiter üben und mein System verbessern kann. Aber meine Kritiker schreien gerade, dass ich mich niemals entspannen darf. Dem kann ich nur entgegensetzen, dass ich mein Bestes tue und die Situation ernst nehme. Wenn ich nicht mit mehr Leichtigkeit drangehe, wird mir schnell wieder die Lebensfreude flöten gehen. Aushalten und Aufstehen sind meine Durchhalteparolen.
Abgesehen davon ist alles echt gut.
Das Bouldern von gestern fühle ich sehr in den Armen und Händen, und das Krafttraining heute hat mich gut gefordert.
Die Ergotherapie war entspannt und die Faszienentspannung war super.
In den Rehabilitandenrunden haben wir jemandem, der die Gruppe verlässt, Feedback gegeben und von ihm bekommen. Ich bin traurig darüber, dass morgen einer geht und am nächsten Dienstag dann noch einer.
Der Neue, der gestern gekommen ist, scheint nett zu sein. Fun Fact: Er hat einen Chanukia in seinem Zimmer improvisiert, woraufhin wir ins Gespräch kamen. Das war auch ziemlich draining.
Ich habe heute Abend noch einmal Schach gespielt und gewonnen, aber so richtig gefreut habe ich mich nicht. Es fühlt sich alles gerade sehr maschinell an. Ich hatte am Abend jemandem versprochen, zum Schach zu kommen, weil es sein letzter Abend war. Wir haben etwas gequatscht. Beim Spiel habe ich viele Fehler gemacht und gute Sachen nicht gesehen. Ich war unterhalten und abgelenkt, aber nicht wirklich achtsam oder im Moment. Vielleicht bin ich einfach nur müde.
Jetzt feuere ich noch unser Team beim Softball an und werde auch bald ins Bett gehen. Ein lehrreicher Tag. Viel aufzuarbeiten ist jetzt nicht mehr, außer dem Fazit.
Alles in allem habe ich heute allen Grund, müde zu sein. Ich versuche, es nicht negativ zu bewerten und mir noch einen schönen Abend zu machen. Die Trauer sagt mir, dass ich die Leute mag, die gehen werden. Noch etwas Zeit mit ihnen zu verbringen, scheint mir richtig. Weiter machen, versuchen zu genießen, dass es mir gut geht.
Danke fürs Lesen. Ich schätze das sehr. Herzliche Grüße.