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9. Tag. Einzug in die WG/ Nach fühlen

Heute war ein sehr guter Therapietag,

TL&DR:

Ergometer lief!

Ergotherapie: Habe Buchstaben mit der linken Hand geübt. War angenehm.

Bin in die WG eingezogen, gleichzeitig mit einem neuen auf der Station. Zwei sind heute ausgezogen. Wir sind jetzt zwölf, die geplante Gruppengröße.

Aquafit: Zirkeltraining im Wasser.

Vorträge zu Angst und Schlafstörungen: Waren voll gut, habe viel mitgenommen. Habe wahrscheinlich ein Angstproblem mit Anspannung, insbesondere bei meinen negativen Emotionen mir selbst gegenüber. Das ist wahrscheinlich ein wichtiger Part meiner Sucht.

Rehabilitandengruppe: War gut. Ging um die Nerf-Pistolen, ums Befinden und um unser neues WG-Mitglied.


Lang:

Rehabilitandengruppe: Neue Gruppenregeln werden nächstes Mal aufgestellt. Ich werde da mithelfen, damit das Athen-Thema endlich durch ist. Ich komme sonst zu nichts in der Gruppentherapie. War auch sehr stark getriggert im Anschluss. Habe einen Mitpatienten in patzigem Ton dazu aufgefordert, auf den Punkt zu kommen, als er das fünfte Mal zu einer langatmigen Erklärung angesetzt hat. Ich wusste, dass ich projiziere, aber ich konnte es nicht zurückhalten. Hab mich natürlich entschuldigt und alles war gut. Hab parallel meine Gedanken aufgeschrieben, und der Hass in mir, der getriggert wurde, war sehr mächtig. Ich hab noch immer ein sehr großes Problem mit Schwäche, Unstrukturiertheit, Überforderung und Hilflosigkeit. Das sehe ich hier in Massen – und ich hasse es. Mein innerer Kritiker schreit die Gruppe und mich selbst an, endlich klarzukommen, das Maul zu halten und sich zusammenzureißen. Nach der Schematherapie in Mainz komme ich besser damit klar und weise ihn besser in die Schranken.

Ich habe Probleme mit Struktur, Hilflosigkeit, Überforderung und wünsche mir, dass jemand meine Probleme löst. Ich weiß oft nicht, was das Richtige für mich ist, und niemand kann das wissen, wenn nicht ich. Und ich will dieses Gefühl nicht ertragen – es tut weh und zeigt mir, wie viel ich noch zu wachsen und zu lernen habe und was ich an Unterstützung brauche. Ich will aber nicht nach dieser Unterstützung fragen. Ich bin erwachsen und kein riesen Baby. Doch gleichzeitig habe ich Probleme und bin dysfunktional im Alltag. Es wäre schwach und kindlich, nicht nach Hilfe zu fragen und diese Schwachstellen zu ignorieren. Die Einsicht habe ich schon eine Weile, aber ich vergesse danach zu handeln.

Heute war besser. Ich hab mir den Raum gegeben, das zu fühlen und es zu sagen. Hatte ein Gespräch mit einem Patienten, der alte Themen hat, die ich einst auch hatte. Wir haben etwas connected und zusammen geflucht. Später haben wir uns den Raum genommen, uns in einen ruhigen Raum zu setzen und zu heulen – jeder so für sich, aber nicht allein. Habe viel nachgefühlt und war bei mir für ca. 30 Minuten. Jede Sekunde ist der Kopf angesprungen mit Ablenkungen und anderen Themen. Aber es war sehr gut. Ich habe diese Themen und habe sie noch nicht so gut verarbeitet, wie ich dachte.

Ich kann nicht an meiner Karriere und beruflichen Zukunft arbeiten, wenn ein Teil von mir noch immer denkt, dass ich nicht erfolgreich sein kann, dass ich nicht gut genug bin, nicht liebenswert bin oder ein geborener Versager. Da sind Dinge, die viel Druck aufbauen – kein Wunder, dass ich lieber in der Sicht versunken bin. Jetzt nicht mehr xD.


Vorträge: Sprengt heute Abend den Rahmen, werde eine Zusammenfassung schreiben und hochladen.

WG: Ist ein Chaotenhaufen.

Aquafit: Im Grunde Sportübungen mit Wasserwiderstand. Die Stationen gehen von Freistil-Schwimmen über Dips, Butterflys, Crunches bis hin zu Stecksprüngen im Wasser. Anstrengend und gut. Einige fühlen sich nicht wohl im Becken und machen stattdessen Ergometertraining.

Ergotherapie: Musste mit der linken Hand arbeiten, weil meine rechte Hand heute früh wehgetan hat (wahrscheinlich vom vielen Schreiben gestern). Habe sie geschont, und jetzt am Abend ist es wieder gut. Ich beobachte es morgen.

Danke fürs Lesen und liebe Grüße.