Heute war der halbe Tag im Schatten der Entscheidung zu Weihnachten. Das Wichtigste zuerst: Ich werde am 24.12. zur Familie fahren und am 25. mittags wieder zurück nach Münchwies.
Kurze Version:
Morgens Therapieunterlagen weiter aufgearbeitet und mich etwas mit ADHS Bewältigungsstrategien beschäftigt, meine Organisation weiter ausprobiert.
Währenddessen wurde ich um Unterstützung bei einer Angelegenheit für Rotaract gebeten, der Weihnachtswunschaktion. Da sollten viele Kinogutscheine besorgt werden. Das hat sich sehr lange gezogen und wurde am Ende auch ohne mein Zutun gelöst. Ich habe dabei jedoch mein Bestes gegeben, und damit bin ich zufrieden. War eine gute Übung im Terminieren von Aktivitäten und Prioritäten setzen im Tagesverlauf.
(Ich liebe den neuen Tracker! TIMER YEY! Die Uhr hat mir sehr dabei geholfen, alle meine Aufgaben zu koordinieren und nichts zu vergessen. Das hat wirklich sehr gut geklappt.)
Von 14 bis 17 Uhr sind wir spontan der Nase nach in den Wald wandern gegangen und haben die Überreste eines alten Kohlestollens im Wald besichtigt und den Nebel bestaunt. Es war sehr malerisch und schön hier. Kommt auf den Fotos leider nicht wirklich zur Geltung.
Abends habe ich noch etwas weitergeschrieben und unter anderem meine negativen Glaubenssätze etwas zusammengefasst, damit wir sie uns im Einzelgespräch noch einmal ansehen können.
Nach dem Wäschewaschen und Aufhängen haben wir noch ein Brettspiel gespielt.
DOG ist etwas besser als „Mensch ärgere dich nicht“, da es mit Karten statt Würfeln und in Zweierteams gespielt wird, die sich nicht absprechen dürfen. Mehr dazu unten.
Währenddessen hatte ich die Entscheidungsdeadline bereits vergessen, bis mein Timer mich daran erinnert hat. Aufgrund meines Frusts über das Spiel habe ich mich dann bei einem Mitrehabilitanden aufgeregt. Als der Timer geklingelt hat, haben wir kurz darüber geredet, und mir wurde prompt eine Lösung angeboten, auf die ich vorher so nicht gekommen bin, aufgrund meines sehr verklemmten Denkens. Denn ich habe sehr versucht, das mit mir selbst auszumachen und nicht offen mit anderen darüber zu reden, um mich nicht so sehr beeinflussen zu lassen. Die Ablenkung durch das Spiel, das Wäschewaschen und das kurze Gespräch mit den Jungs hat dafür gesorgt, dass ich mich mit der Entscheidung jetzt sehr wohl fühle. Einen kleinen nagenden Kritiker habe ich noch im Hinterkopf, aber das ist okay.
Längere Texte:
Zu Timern: YEY! Ja, die kleinen Dinge im Leben. Ich kann nur sehr schwer in Worte fassen, wie viel Selbstwirksamkeit mir Timer im Alltag geben. Ich kann mich so viel entspannter auf Dinge konzentrieren und vergesse die anderen nicht. Es ist ein riesiger Stein, der mir vom Herzen fällt. Ich kann dem Timer vertrauen, ganz im Gegensatz zu meinem Hirn, und dadurch bin ich wesentlich zuverlässiger, konzentrierter, ruhiger und zufriedener mit mir selbst. Verbesserungspotenzial existiert, aber es ist schon viel besser. Allein der heutige Tag war ein Riesenbeweis dafür. Ich bin zutiefst dankbar für die Entscheidung, das Ding zu kaufen. Weil ich mit dem Tracker auch nichts anderes habe, was mich ablenkt, keine Texte oder Benachrichtigungen, alles ist extra abgeschaltet. Einfach nur ein simples Werkzeug, das tut, was es soll. Ich benutze es noch nicht annähernd so häufig, wie ich könnte oder wollte, weil ich noch nicht immer daran denke, aber die Male, in denen ich es einsetze, helfen enorm.
Zu DOG: das ist sicherlich ein ganz tolles Spiel wenn man für den Tag keine kognitiven Kapazitäten mehr hat. Es ist definitiv besser als das klassische "Mensch ärgere dich nicht". Doch es zieht sich genauso ewig wie "Mensch ärger dich nicht", insbesondere am Ende weil das gesamte Team gewinnen muss und diese vier figürchen ins Haus stellen muss und eben nicht nur eine Person und dadurch ist man sich nicht absprechen kann und es ja zufällig ist kann sich das ewig dauern und man braucht für so eine Partie einfach 45 Minuten. Das Spiel ist total kognitiv unter stimulierend und ich habe mich die ganze Zeit aufgeregt im Nachhinein ist mir aufgefallen dass ich unterschwellig immer noch mit der Entscheidung beschäftigt war und dass ich in meine Wohnung verabilität erhöht hatte aber meine Wut war echt und ich habe mich sehr ohnmächtig gefühlt das Spiel zu beenden auch wenn wir gewonnen haben hat mir das nicht bedeutet weil ich einfach nur wollte dass es vorbei war. Kannst empfehlen vielleicht ist es ein lustiges trinkspiel und wahrscheinlich ist es lustig für Kinder die Mensch ärgerlich nicht schon zu langweilig finden und dies eben doch etwas herausfordernder ist. Ich finde das Spiel einfach nur eine riesen Zeitverschwendung, es gibt so viel schönere Spiele. Vor allem bin ich überrascht von meinem überaus negativen Emotionen dem Spiel gegenüber, normalerweise nehmen wir das absolut egal. Ob ich die Zeit mit Spiel a oder spielt weh tut Schlages Wurst normalerweise war es das früher so jetzt nicht mehr. Vielleicht ändert sich das noch mal. Meine Meinung ist sehr hart aber ich finde es wirklich einfach echt anstrengend auch wenn wir gut gequatscht haben und etwas Spaß hatten, die gesamte Spielmechanik ist einfach so " mähh".
Zur Entscheidung: Ich habe hin und her überlegt, und die beste Entscheidung für mich war, in Münchwies zu bleiben, um den Umgang mit mir selbst zu üben. Von allen Beteiligten habe ich Verständnis bekommen, was mich sehr gefreut und ermutigt hat. Aber zu 100 Prozent habe ich mich damit nicht wohlgefühlt, weil ich doch sehr an meine Nichten denken musste und daran, wie wichtig es für mich im Nachhinein war, dass Personen, die ich gemocht habe und die für mich wichtig waren, an den Feiertagen da waren. Zumindest die Erinnerungen, die ich da habe, beziehungsweise der Mangel an Erinnerungen mit Figuren wie meinem Vater oder eben der Oma väterlicherseits und Onkeln. Da ist schon noch tiefes Bedauern in mir. Natürlich wusste ich auch, dass das auf die Entfernung nicht ging, aber ich finde es trotzdem schade, jetzt nur als Erwachsener.
Und jetzt, wo ich bewusst als Erwachsener dahingehend Entscheidungen treffen muss zwischen einerseits meinem Bruder und zugegebenermaßen bin ich mir nicht sicher, was die Mädels darüber denken, ob ich an Weihnachten da bin oder nicht, vielleicht ist es ihnen hier noch einfach egal, möchte ich das Dahingehen einfach nicht riskieren und auch eine schöne Zeit mit ihnen haben, weil ich sie schon sehr lange nicht mehr gesehen habe und die ganze Familie. Deshalb fahre ich mittags hin. Ich werde nach Mannheim mitgenommen, so spare ich mir die Hälfte der Strecke und kann dann direkt von Mannheim aus nach Frankfurt weiterfahren. Dann komme ich ganz entspannt durch. Und am nächsten Tag die vier Stunden zurück ist völlig in Ordnung. Dann ist alles in meiner Zeit, und ich kann mich schon mal einstimmen, wie es sein wird. Und dann habe ich noch Zeit bis zum 28. abends, wo die ganzen Leute zurückkommen werden. Das sind anderthalb bis zwei Tage, genug Zeit zum Üben und für Erkenntnisse. Mehr wäre schöner, aber werde ich auch nach dem eigentlichen Reha-Zeitraum mehr als genug haben. Und mit der Entscheidung so fühle ich mich sehr wohl. Es bammelt mir jetzt ein bisschen, dass ich mich überreden lasse, länger zu bleiben, aber ich glaube nicht, dass das passieren wird, und vertraue mir da, dass ich es schaffe, meine eigenen Grenzen einzuhalten und mich an das zu halten, was ich da für mich als gesunder Erwachsener mit langfristigem Fokus entschieden habe.
Ich wäre tatsächlich sehr an eurer Meinung zu der Lösung interessiert. Ich kann mir vorstellen, dass manche sagen, ich mache das nicht konsequent genug in beide Richtungen. Aber ich will ja immer weiter Richtung goldene Mitte und eben weg von totaler Leistung und totaler Vermeidung, ungesundem Genuss, gehen. Stattdessen hin zu bewusstem Entscheiden und dem Finden und Verstehen subjektiver Präferenzen. Das fühlt sich gerade wie ein Schritt in die richtige Richtung an.
Mal sehen, wie es dann in der Praxis läuft.
Danke fürs Lesen. Liebe Grüße und bis bald.