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3. Tag. 22.10.2025

Wieder ein sehr ereignisreicher Tag

TL;DR: 20 Minuten Ergometer vor dem Frühstück waren gut. Gruppentherapie war sehr anstrengend und produktiv. In der Ergotherapie habe ich angefangen, zeichnen zu lernen. Abends ein Spaziergang im Wald. Ein paar Gespräche mit der WG. Früh ins Bett.

Lange Version:

Mit meinem Zimmergenossen früh auf dem Ergometer in den Tag gestartet. 20 Minuten waren schon gut, um warm zu werden. Ich habe noch viel Luft nach oben, will aber nicht übertreiben!

Eines meiner Reha-Ziele ist es, täglich eine Stunde bewusste körperliche Aktivität zu haben. Bisher klappt das gut. Heute früh die 20 Minuten und heute Abend 90 Minuten schneller Spaziergang im Wald.

Langfristig möchte ich mit dem Krafttraining anfangen und werde mir wahrscheinlich 16 kg Kettlebells für Übungen zu Hause holen. Hier haben wir zweimal Krafttraining die Woche, was sehr gut klingt als Aufbau für diese Art von Routine.

Gewichte gehen zu Hause eben auch schneller als ins Schwimmbad zu gehen. (Das Schwimmbecken hier ist auch keine 15 Meter, daher ist es recht nervig, Ausdauerschwimmen zu betreiben, und doch ist es besser als nur Ergometer. Wahrscheinlich gehe ich am Wochenende länger schwimmen.)

Essen war über den Tag verteilt lecker und gut portioniert! Yay <3. Es ist i. d. R. ca. 45 + 60 Minuten Zeit zum Essen für die 200 Patienten. Oft entsteht eine sehr lange Schlange, wenn man zur Rushhour kommt. Da fuchse ich mich noch rein, die Abfertigung geht jedoch so schnell, dass die Wartezeit gering ist.

In der Klinik wird gerade sehr viel umstrukturiert. Alle Patientenpläne ändern sich in den nächsten Wochen, und es gibt viel Veränderung. Meine WG hat z. B. neue Zeitslots und neue Betreuer für die Ergo bekommen.

Ergo kann eine gute Abwechslung zum Klinikalltag sein und sehr gut beim Üben von manch schwierigen Themen helfen. Weil ohnehin sehr viel umstrukturiert wurde, war die Verwirrung groß, und es gab wenig Absprachen in der Gruppe oder Struktur durch die Vertretung. Das hat mir gut in den Sinn gepasst. Der Plan ist, möglichst schnell und konsistent ein neues Hobby zu erlernen, das mir bei der Stressbewältigung hilft, kreativen Ausdruck ermöglicht und alltagstauglich und niederschwellig ist. Deshalb habe ich mich für Zeichnen entschieden. Ein Block und Papier passen immer in den Rucksack und sind nicht räumlich abhängig (höchstens eine ebene Fläche wird benötigt oder so). Es gibt in der Ergo viele Zeichenlernbücher mit Vorgaben, die werde ich als Ressourcen nutzen. Die Grundstruktur, für die ich mich entschieden habe, ist angelehnt an ein YouTube-Video, das eine Zusammenstellung von grundlegenden Zeichenskills und Übungsaufgaben für die ersten 100 Stunden enthält.

Insbesondere meine Vorstellungskraft und meine Feinmotorik will ich dadurch schulen, denn ich habe immer viel zu viel Angst vor anspruchsvollen Zeichnungen gehabt und möglichen Fehlern. Jetzt sehe ich es eher als Skill für den Alltag oder für abstrakte bzw. außergewöhnliche Aufgaben im Job oder eben als Selbstausdrucksmittel, das wesentlich konstruktiver sein könnte als Sucht.

Die Idee des Kurses ist es, vier erste Zeichnungen zu erstellen – davor und nach dem Kurs – und die Auswirkungen der Techniken, Übungen und Perspektiven zu vertiefen. Man kann sich so viel Zeit lassen, wie man will, und die eigene Belastbarkeit sowie das eigene Durchhaltevermögen testen. Anschließend folgen viele Videos und Übungen, die die grundlegenden Fähigkeiten schulen und trainieren sollen, um insgesamt Zeichnen als Fähigkeit besser zu nutzen bzw. zu verstehen. Und immer wieder „Linework“ – einfach Linien zeichnen, mit lustigen Ideen zur Praxis.

Die Figuren waren: – eine Tasse – ein Haus – ein Buch auf einem Tisch – und ein Donut

Die Tasse habe ich in ca. 1 Stunde gemalt. (Irgendwann finde ich raus, wie ich hier Bilder hochladen kann, dann folgt ein Bild.) Ich habe mir Mühe gegeben, aber irgendwann hatte ich keine Ahnung mehr, was noch zu tun ist. Morgen steht das Haus an.

Das nächste große Thema war die Gruppentherapie. Diese ist sehr anstrengend gewesen.

Der grundsätzliche Ablauf ist: Es wird das alte Thema nochmal kurz aufgegriffen. Die Therapeutin fragt nach neuen Themen. Einige Patienten können ihre Themen einbringen. Die zweite Hälfte der Sitzung ist ein Gespräch über ein ausgewähltes Thema. Die erste Hälfte dient eher Diskussionen und Fragen.

Das Thema war „Innere Leere“. Und die meisten Aussagen waren für mich Dinge, die ich schon weiß, aber nicht gut praktiziere. Das Hauptthema wurde der Mangel und die Leere von Empfindungen. Es kann für mich ein größeres Thema werden, da es dies früher war. Mal sehen, wie sich das auswirkt.

Die Haupteinsicht heute war, dass ich mich mehr in Gruppendynamiken zurücknehmen und zurückhalten sollte, um mehr bei mir zu sein und bewusster zu kommunizieren.

Fun Fact des Tages: Das Singen am Montag hat mir so viel Spaß bereitet, dass ich mich endlich dafür entschieden habe, mir eine kleine Musikbox zu bestellen, die ich schon immer haben wollte. Nach der Bestellung gestern ist mir heute aufgefallen, dass ich natürlich die Adresse geändert hatte – aber bei der Änderung der Bestellung vergessen habe, sie ein zweites Mal zu kontrollieren. Also geht die erste Fuhre nach Kreuznach… Ich habe die Bestellung stornieren müssen und werde eine neue aufgeben. Yay. Ich habe noch viel zu lernen über mein ADHS-Gehirn. Es ist ein Prozess.

Mir fallen die Augen zu. Details zur Therapie morgen.

Gn8

Edit:

Es ist morgen, aber ich möchte hier unter dem Tag zu Ende schreiben.

Eine der größten Herausforderungen für mich in der Gruppentherapie war es, zu ertragen, wenn jemand etwas für mich Offensichtliches sagt oder etwas Irrelevantes, das vom Hauptthema ablenkt. Ich musste mich aktiv zurückhalten, um dies nicht zu kommentieren oder selbst etwas zu sagen, um dem vorzubeugen. Ich weiß genau, dass viele Patienten (mich eingeschlossen) einen hohen Mitteilungsdrang haben. Oft kommt er daher, dass diese Personen sich vernachlässigt, unsicher und/oder wertlos fühlen und durch ihre Worte eine Bestätigung von außen einladen. Insbesondere das Thema „gesehen werden“ und „für gut gehalten werden“ ist für mich persönlich sehr wichtig, und ich hatte schon lange nicht mehr so einen Drang wie in der Gruppentherapie. Umso schöner ist es, dass ich den Impuls in konstruktive Bahnen lenken konnte. Eine Mindmap und Verhaltenskette für „innere Leere“ steht, und ich werde mal beobachten, wie aktuell das Thema ist.

Der Rest des Abends war der Aufarbeitung der Therapie gewidmet. Nach dem Abendessen ist ein Teil der WG in den Wald spazieren gegangen. Es ist eine schöne Ecke hier – bei durchschnittlich 500 Höhenmetern ist es doch etwas höher als Kreuznach, und es gibt viele kleine Hügel, die eine prächtig bunte Herbstlandschaft zeigen. Um nicht krank zu werden, habe ich mir erstmal nur die ersten vier Kilometer von den vierzehn gegönnt und bin früher zurückgelaufen. Krank während der Reha zu sein, fände ich doppelt Mist – daher lieber etwas langsam.

Abends habe ich mich nochmal ruhig hingesetzt und den nächsten Tag vorbereitet sowie Unterlagen sortiert und zusammengefasst.

Insgesamt lief der Tag sehr gut. Ich bin dankbar für den sicheren Rahmen, den es hier gibt, und die Chance, mich körperlich und geistig langsam an die Gewohnheiten heranzuführen, die ich im echten Leben haben möchte.

LG