Heute hätte ein echt guter Tag sein sollen. Heute hat ein echt guter Tag sein können. Heute ist ein richtig beschissener Tag geworden.
Ich habe heute versucht, alles richtig zu machen, so gut ich kann.
Ich war heute früh im Fitnessstudio.
Ich habe die Heißluftfritteuse zurückgegeben, die ich mir falsch gekauft hatte, und eine bessere bestellt – nachdem ich überlegt habe, ob das eine sinnvolle Investition ist oder nicht, nach dem Prozess, den ich mir überlegt hatte.
Ich habe angefangen, meine Wohnung aufzuräumen – nach dem Haushaltsplan.
Mein Staubsauger ist kaputtgegangen und ich habe ihn repariert. Es hat zwar zwei Stunden gedauert, aber hey: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Staubsauger repariert – und es hat geklappt.
Ich habe dank eines Freundes die Einsicht bekommen, dass ich wesentlich radikaler mit meinen Prioritäten sein muss, und habe mich heute vom Kidscamp auf jeden Fall bis Juli getrennt – und in Aussicht gestellt, dass ich dieses Jahr vielleicht komplett raus bin.
Die Einsicht hat mich über den Tag hinweg richtig fertiggemacht.
Ich habe nicht konsumiert, aber ich hatte miese emotionale Schmerzen: Trauer, Wut, ich hätte am liebsten um mich geschlagen.
Ich habe das Ganze erstmal ausgehalten und gefühlt, war bei mir, habe eine halbe Stunde geheult.
Dann habe ich versucht, ein Gedicht zu schreiben. Mir haben buchstäblich die Worte gefehlt und ich habe den Kopf nicht drumherum bekommen.
Da habe ich gemerkt, dass es nicht funktioniert. Dann habe ich gezeichnet und versucht, es darüber rauszulassen.
Offensichtlich habe ich mehrmals überlegt, ob ich es weggebe, und war an dem Punkt, dass ich es noch nicht wegskille.
Dann hatte ich Mittagessen mit meiner Mom, habe darüber geredet und mich dafür entschieden, es wegzuskillen und bei ihr zu sein.
Ich habe mit dir darüber geredet und es ist besser geworden. Es hat sich ein bisschen leichter angefühlt. Ich habe meinen Entschluss bestärkt.
Dann bin ich frohen Mutes in meine Wohnung zurück.
Dann habe ich den Rest der Wohnung gesaugt.
Dann habe ich den Rest der Wohnung gewischt.
Dann habe ich sogar die Leisten gefegt und fertig Staub gewischt.
Dann habe ich noch eine Kleinigkeit zu essen gemacht.
Dann habe ich sogar eine neue KI gefunden, die ChatGPT ersetzen kann, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Kostet weniger, scheint umweltfreundlicher zu sein, ist auf jeden Fall europäisch – yay.
Zwischendurch hat Oma angerufen und ich habe ihr, ohne nachzudenken, zugesagt, zu ihr zu kommen.
Erst nach dem Call fiel mir auf, dass ich auch einfach hätte Nein sagen können. Aber sie hat „Themen“, die wichtig sind.
Dann war es 21 Uhr und ungefähr da hatte ich das Gespräch zum Thema Kidscamp – und f***, da ging es den Bach runter.
Es war gut, weil ich Grenzen kommuniziert habe, Verständnis bekommen habe. Wir haben Übergabe gemacht, es gibt noch ein paar abschließende Sachen, aber die liegen nicht bei mir.
Währenddessen kamen Themen hoch, z. B. dass ich zu inkompetent war, eine Mail, die ich kontrolliert hatte, nochmal durchzulesen, um zu prüfen, ob irgendwo „katholische Jugendgruppe“ drinsteht oder sonst was.
Nicht schlimm im Endeffekt, aber ein weiterer „Beweis“ meiner unbewussten Inkompetenz in den letzten Tagen.
Und dann habe ich angefangen, diese beschissene Geschichte weiterzuschreiben.
Und das wäre an sich nicht schlimm gewesen, wenn ich mir einfach einen Timer gestellt hätte.
Aber es ist schlimm, weil ich mir keinen Timer gestellt habe.
Es ist schlimm, weil ich gemerkt habe, ich sollte aufhören – und ich habe gesagt, ich mache weiter. Es ist schlimm, weil ich gesagt habe, ich mache es nicht – und ich mache es doch.
Erst nachdem der Check-in-Timer nach einer Stunde geklingelt hat, habe ich es gemerkt.
Und nein, in dem Moment habe ich natürlich nicht aufgehört, weil ich im Flow war.
Und jetzt habe ich mir die Zähne geputzt. Zum Glück habe ich morgen früh Zeit.
Und das Schlimmste: Ich bringe es einfach nicht übers Herz, diese beschissene Geschichte zu löschen.
Ich bin so enttäuscht von mir selbst. Ich dachte Eich wird besser und schneller lernen... Gerade dafür habe ich doch heute "konsequent", sein wollen. So ein Widersprüchliches verhalten.
Ich fühle mich so zerrissen.
Es ist wesentlich besser als vor der Reha, aber ich bin drauf und dran, alle meine Fortschritte zunichtezumachen wegen ein paar digitaler Buchstaben auf einem Bildschirm und ein paar Fantasien in meinem Kopf.
Ich weiß nicht, ob ich zu streng zu mir bin oder ob ich genau richtig streng bin oder nicht streng genug.
Alles fühlt sich richtig an, alles fühlt sich falsch an.
Und ich wollte das auch noch verstecken.
Ich schreibe den Blog übrigens nicht mehr vormittags, weil das überhaupt nicht klappt. Ich mache das lieber spät abends – so wie jetzt.
Wieso fällt es mir so schwer, wenn die Entscheidung eigentlich so leicht ist?
Wieso kann ich das Gewicht meines ganzen zukünftigen abstinenten Lebens mit einer f** Geschichte aufwiegen und mich dabei auch noch gut fühlen?
Es tut mir so leid. Es tut mir so unendlich leid. Ein Teil von mir will jetzt erst recht einfach weiterschreiben und die ganze f** Nacht durchmachen.
Was ich nicht tun werde.
Aber ich kriege diese Geschichte nicht gelöscht. Und ich will sie nicht löschen, aber ich will sie löschen.
Ich muss diesen Text löschen. Ich kriege so etwas jederzeit wieder geschrieben.
Ich will so etwas eigentlich gar nicht schreiben. Jetzt nicht. In Zukunft auch nicht – nicht, wenn es mich so kaputt macht.
Ich würde gerne sagen, es ist ein Vorfall und kein Rückfall.
Aber wenn ich das nicht überwunden kriege, mache ich mir was vor.
Jetzt, wo ich mich ausgeheult habe, gehe ich schlafen. Morgen gibt es ein großes Rückfallprotokoll zu schreiben und sehr unangenehme Gespräche zu führen.
Ich lasse den Text hier bewusst so stehen. Ich will diesen Mist nicht schönreden.
Danke fürs Lesen. Es tut mir leid. Ich mache es besser.
P.S.: Der Text ist gelöscht aber es hat Zeit gekostet ich wollte einfach nicht loslassen. Wie zum Geier kann ich meine Fantasie stoppen? Ich habe zwischen Deich meien Abend routie gemacht und konnte/ wollte trotzdem nicht aufhornen nach dem ersten Schluss und diesem Text hab ich noch 2 h hinten den gehängt.... verdammt. Für den nächsten Rückfall brauche ich nur Stift und Papier.
P.P.S.: Ich wollte nicht katastrophisieren. Ich kriege das schon in den Griff – nur leider mit mehr Schwierigkeiten als erwartet.
P.P.S morgen wird ein besserer Tag. Ich starke später aber hab zum Glück noch genug Zeit.
P.P.S. ich Stelle morgen meinen PC zu meiner Mom und wechsle vom Smartphone zum Tasten Handy werde also vrsl ab morgen Abend nur noch per Anruf und SMS zu erreichen sein