averagesingularity

16.03.2026 | 22. Woche. | 3. Tag

Der Wochenabschluss lief sehr turbulent.

Die letzte Woche war die schlimmste Seite der Reha. Ich befinde mich immer noch im Prozess, aus der Abwärtsspirale herauszukommen.

Der Start der Woche mit dem Besuch war an sich eine schöne Sache. Realistisch gesprochen war ich jedoch nicht gut genug darauf vorbereitet. Ich frage mich, ob ich unter den aktuellen Umständen jemals gut genug vorbereitet sein könnte. Einen Besuch vorzubereiten hat bei mir noch nie gut geklappt , und ich weiß immer noch nicht so recht, was alles dazu gehört. Mein Haushalt funktioniert ohnehin nie nachhaltig, sondern oft auf Pump. Zwar habe ich mit dem Haushaltsplan und den Routineaufgaben eine Übersicht (wie es funktionieren könnte), aber das ist bei Weitem noch nicht automatisiert.

Dein Besuch war eine schöne Idee, und ich habe mein Versprechen eingehalten. Aber wenn Abstinenz meine erste Priorität ist, war es eine schlechte Idee.

Das war eine wunderbare Einleitung für den Rest der Woche: Ich hatte mich zwar nach den Rückfällen vor dem Besuch gefangen, doch als der Besuch vorbei war (an einem eigentlich guten Tag) hatte ich mich natürlich ausgesperrt, viel Stress gehabt, dann die Arbeit (die mich zusätzlich gestresst hat) und mich abends „belohnt“, indem ich geschrieben habe. Das war im Grunde eine Erlaubnis für einen Rückfall.

Das Schreiben ist für mich jetzt keine Option mehr. Selbst die Aussage aufzuschreiben kostet mich Willenskraft. Es erinnert mich daran, wie schwer es war, mich vom Computerspielen zu distanzieren ,und das habe ich geschafft. Deshalb werde ich auch das hinbekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich vollständig dahinterstehe. Erotisches Schreiben ist es nicht, explizites Schreiben ist es nicht.

Aktuell habe ich an jeder Tür in meiner Wohnung und am Spiegel einen Zettel mit der Erinnerung: "Ich will kein erbärmlicher Wichser sein.“

Kein Grundbedürfnis der Welt (egal, wie natürlich es ist) ist eine Rechtfertigung dafür, das Leben so außer Kontrolle geraten zu lassen, wie es in der Vergangenheit passiert ist und wie es passieren könnte, wenn ich jetzt nicht Abstand nehme.

An alle, die das jetzt zu hart finden: Ich verstehe das, aber ich brauche das für meinen Kopf. Ich brauche den Abstand und muss Wege und Outlets finden, die gesünder sind. Das erotische Schreiben war es nicht. Ich habe die Kontrolle über die Zeit zu oft verloren. Solange ich mein Zeitgefühl nicht weiterentwickle und die Kontrolle über die Zeit behalte (bei allen sexuellen Themen) wird das nicht passieren. Punkt.

Ein anderes Thema ist meine soziale Verantwortung und die Projekte, die ich übernehme. Der Rest der letzten Woche lief auf ein Minimum an Hausarbeiten hinaus: Wäsche waschen, saugen und wischen sind passiert. Statt eines Wocheneinkaufs gab es kleine Einkäufe , das hat geklappt, und ich bin damit zufrieden, aber nicht glücklich.

Mein freier Tag am Sonntag stand weniger im Zeichen von Wochenplanung oder dem Auffangen von mir selbst, sondern eher von organisatorischen Verpflichtungen: ein Orga-Meeting von „Kidscamp“, eine Mitgliederversammlung von „Nur tragt“ und die Selbsthilfegruppe.

Beim Orga-Meeting von „Kids geimpft“ war ich nur dabei, um mein Wissen zu vermitteln und mich dann zu distanzieren. Selbst dieses Meeting war schon zu einem sehr schlechten Zeitpunkt. Es zeigt mir: Ich verstehe, warum mir das wichtig ist, und es ist eine gute Sache. Aber ich will mir aktuell nicht leisten, zu viel Energie hineinzustecken. Mein kritischer Teil denkt: „Jegliche Energie, die ich da reinstecke, ist zu viel.“ Es ist nicht lebensnotwendig für mich. Wenn ich meine Routine nicht im Griff habe, ist es gefährlich. Ich muss jetzt ein neues Fundament für mein Leben aufbauen. Das ist eine wertvolle Ressource, die mich aber auch viel kostet, ich muss vorsichtig damit umgehen.

Beim Thema „Roter Rock“ steht die Deutschlandkonferenz für nächstes Jahr im März an. Es gibt Probleme mit dem Sponsoring, und wir wollen noch einiges bewegen. Ich habe bis vor Weihnachten keine Verantwortung übernommen, außer dass ich zugesagt habe, bei einem Glühweinstand im Orga-Team mitzuhelfen (damit die Dinge passieren). Das war mir aus sozialer Verantwortung wichtig. Eigentlich hätte ich aber sagen müssen: "Ich übernehme keine neue Verantwortung.“ Ich wollte mich ja gerade aus dem Kids-Camp zurückziehen. Mir ist es jedoch immer noch wichtig, den Verein als Mitglied zu unterstützen und mich sinnvoll einzubringen (in der Hoffnung, dass es Ende des Jahres besser läuft, zumindest was Selbstorganisation und Zeiteinteilung betrifft).

Ich kann, will und darf solche Entscheidungen nicht mehr im Eifer des Gefechts treffen. Nach einer solchen Situation möchte ich mich zu Hause hinsetzen, in Ruhe überlegen und mich dann beteiligen oder zurückziehen. Im Moment will und darf ich mich bei solchen Dingen nicht mehr so entscheiden. Vielleicht muss ich sogar aus dem Orga-Team für den Glühweinstand austreten, ich habe mich wieder in eine blöde Situation gebracht.

Ich habe mir die nächste Woche angeschaut und bin ein bisschen sauer auf mich selbst: Ich bin am Wochenende in Freiburg (etwas, das ich schon seit der Reha geplant habe). Eigentlich brauche ich die Zeit, um mich zu organisieren und zu strukturieren. Ich treffe mich dort aber mit Leuten von der Station. Daher gehe ich davon aus, dass es um Abstinenz und Routinenaufbau gehen wird und es einen guten Austausch dazu geben wird. Ich hoffe, sie werden respektieren, wenn ich mich für die Wochenübersicht und Planung zurückziehe, oder vielleicht machen wir das sogar gemeinsam.

Heute Morgen habe ich die Wochenplanung noch einmal zurate gezogen. Diese Woche ist viel geplant: Haushalt und Themen, die bei der Oma anstehen. Es ist viel, aber machbar. Jetzt fahre ich erstmal ins Fitnessstudio, um zumindest kurz dort gewesen zu sein (eine Übung zu machen) und dann wieder zurück, um mit der Arbeit loszulegen.

Morgen früh ist eine Mitarbeiterschulung, und ich bin von 8:15 Uhr bis 22 Uhr aus dem Haus (das wird sehr viel). Mittwoch beruhigt sich das dann wieder.

Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Tag sowie einen guten Start in die Woche!