Der Freitag war sehr spannend. Ich war zum Brunch bei meiner Oma eingeladen, weil sie noch Lebensmittel loswerden wollte, bevor sie verderben. Das lief überraschend gut. Vormittags habe ich mich um Rentenversicherungskram gekümmert, gefrühstückt und meine Morgenroutine gemacht. Dann hat meine Oma angerufen und gefragt, ob ich früher kommen könnte. Zum Glück hatte ich mir nach vorne Puffer eingeplant. Die Zeit bei ihr war erstaunlich leicht. Keine Dramen, keine Krisen. Mittags hatte ein Kumpel abgesagt, mit dem ich eigentlich verabredet war. Dadurch hatte ich mehr Zeit, mich um offene Baustellen zu kümmern. Meine Wohnung ist inzwischen in einem präsentablen Zustand, auch wenn sie sich stellenweise noch sehr nach Baustelle anfühlt, vor allem das Wohnzimmer mit den kahlen Wänden und den Regalen. Das ist für mich aktuell nachrangig. Wichtiger ist, dass mein Arbeitstisch noch voll mit Unterlagen aus der Reha ist, die ich nacharbeiten will oder bei denen ich noch unsicher bin, wie ich sie sinnvoll in meinen Alltag integriere, ohne sie zu vergessen. Ein gutes Beispiel dafür ist meine Ressourcenliste. Ich verstehe sie inzwischen gut, aber sie ist nicht schön aufzubereiten und ehrlich gesagt auch nicht besonders zugänglich. Heute hätte ich Ressourcen gebraucht. Ich war emotionaler als gedacht, vermutlich einerseits wegen des Serienrückfalls am Mittwoch und andererseits, weil ich vormittags und mittags schon einiges Organisatorisches erledigt hatte, was mein Gehirn stark belastet. Ich habe nichts gefunden, was meine Batterie wirklich aufgeladen hätte. Fürs nächste Mal nehme ich mir vor, in so einer Situation einfach ein Nickerchen zu machen, wenn es zeitlich geht. Heute musste ich dann arbeiten gehen und war nur minimal erholt. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Dopaminmangel und Energiemangel. Malen, Gedichte schreiben, kochen oder aufräumen hätten da eher Energie gekostet. Meditation, Schlaf, ein Nickerchen oder Qigong wären vermutlich die bessere Wahl gewesen. Was ich trotzdem ausdrücklich festhalten will, ist, dass ich inzwischen einen guten Überblick über meine finanzielle Situation habe und mir langsam einen Plan mache, wie sich das entwickeln wird. Das Bild gefällt mir überhaupt nicht, aber es ist ein starker Motivator, dran zu bleiben, solange ich mich nicht überfordere und konstruktiv mit dem Thema arbeite. Ich habe heute schon vor der Arbeit geschrieben, damit ich abends weniger zusammenfassen muss und nicht mit einem völlig vollen Kopf zur Arbeit gehe. Frisch war mein Kopf trotzdem nicht. Ich habe mich nämlich ausgesperrt, als ich zur Arbeit gehen wollte. Perfektes Timing. Alles war gepackt, ich wollte nur noch den Schlüssel vom Haken nehmen, war kurz unaufmerksam und habe die Tür zugezogen, bevor ich den Schlüssel hatte. Der Arbeitstag selbst war relativ ruhig für einen Freitagabend. Ich war nicht fest eingeplant, sondern konnte schauen, wo es hakt und was gebraucht wird. Oft werde ich als Springer eingesetzt, ohne dass wir das explizit absprechen. Heute habe ich den Unterschied sehr deutlich gemerkt zwischen bewusst, reflektiert durchs Haus gehen, Dinge wahrnehmen, Aufgaben weitergeben, und dem permanenten Krisen- und Feuerwehrmodus. Der „für andere da sein“-Modus ist an sich kein Problem für mich, aber er sollte nicht mein Standard sein, wenn ich zur Arbeit gehe. Ich merke immer mehr, dass das früher oft der Fall war. Genau daraus sind dann auch die Flüchtigkeitsfehler entstanden, die mich lange beschäftigt haben und an denen ich selbst meine Kompetenz infrage gestellt habe. Dabei ist es eigentlich eine Kompetenzfrage. Emotionen regulieren, Zeit einschätzen, Kredite und Verantwortung managen. Da liegt ein großes Entwicklungsfeld, das sich am Arbeitsplatz gezeigt hat und das ich lange zugelassen habe. Jetzt merke ich, dass ich es anders machen will. Dass ich mich heute ausgesperrt habe, ist keine Red Flag, das ist mir früher auch schon passiert. Aber in Kombination mit dem Tag zeigt es mir, dass ich nicht ganz auf der Höhe war. Weil ich keinen Schlüssel hatte, bin ich zu Fuß losgelaufen. Zum Glück war ich früh genug losgegangen und hatte Puffer eingeplant, sodass ich trotzdem rechtzeitig bei der Arbeit war. Auf dem Rückweg gehe ich jetzt noch eine Runde spazieren, schreibe diesen Eintrag und plane den morgigen Tag schon grob im Gehen. Ich mache das Beste aus der Zeit.
Morgen freue ich mich drauf nochmal die morgen Routine auszuprobieren und das Schatzmeister amt offiziell abzu legen. Abends arbeiten wird relativ ruhig ( hoffe ich. Wochenenden sind doch immer etwas anstrengender). Wenn es gut läuft ger ich Abend noch mal mit meinen Eltern was essen. Ich lasse mir da bewusst die Option frei nachhause zugehen und den Tag einfach zu beenden.
Danke sehr fürs lesen und hoffe das eure Woche auch gut lief und das Wochenende schön wird! LG