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15. Woche | 104. Tag 1. Teil Seminar

Heute war sehr intensiv.

Aufstehen um 7:30, kurze Morgenroutine und Qigong.

Frühstück um 8:00.

9:00–10:00 Helferschulung und Koordinationsinput

10:00–11:00 Best-Practices-Seminarblock zu gewünschten Themen

11:15–12:15 Psychologische Hygiene

12:15–13:00 Mittag

13:15–17:00 Psychologische Hygiene

17:00–18:00 Freier Austausch zu Best Practices 18:00–19:00 Abendessen

19:30–20:00 kurzes Quatschen allgemein (Highlights, Feedback etc.)

Ab 20:00 Me-Time.

Anschließend theoretisch Spieleabend. Der Tag war insgesamt sehr gut vollgepackt, und es gab viel Input. Die Best Practices habe ich gerne mitgenommen und mir Notizen gemacht, um sie als Multiplikatoren an unser Orgateam weiterzugeben. Die Blöcke zum Thema psychologische Hygiene waren sehr wichtig für mich in meiner Rolle als „Feelgood Manager“. Diese werden auch sehr gut für die Helferschulung und für meine Rolle beim Camp selbst und in der Vorbereitung sein. Gleichzeitig habe ich heute mehrmals gemerkt, wieso die Begeisterung mit mir durchgehen kann, weil das echt schöne Dinge sind und mein Gehirn sofort darauf anspringt.

Boah, das kann man machen. Und das kann man machen. Und das kann man machen. Und das kann man machen.

Ich musste mich mehrmals zügeln, nicht mehr Verantwortung zu übernehmen, als ich mir explizit vorher vorgenommen hatte zu vermeiden, um mich selbst zu schonen. Ich habe mich immer wieder daran erinnert, dass meine Hauptaufgabe hier ist, die Infos aufzunehmen, sie ans Team weiterzugeben, und dann war’s das.

Therapeutisch war es sehr wertvoll, mir selbst diese Grenze zu ziehen, intern, und eben nicht mehr zu machen, als ich machen will.

Das hat mir auch wieder vor Augen geführt, wie viel Identitätsarbeit in dieser Stabilisierungsphase noch im Fokus stehen muss. Ich identifiziere mich sehr über meine Tätigkeiten, im Camp, für Kidscamp, für andere, für meine Familie. Ich habe eine Haltung und eine Idee davon, was ich als Person bin und sein möchte oder werden möchte. Gleichzeitig merke ich, wie sehr ich diese Idee in solchen Kontexten verliere und mich bewusst abgrenzen muss. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, die Prioritäten, die ich vorher gesetzt habe, auch in diesen spezifischen Kontexten durchzusetzen und im Kopf zu behalten. Diese Prioritäten präsent zu halten ist eine meiner wichtigsten Aufgaben außerhalb der Klinik. Meine Abstinenzentscheidung ist ein sehr großer Teil dieser Identität, beziehungsweise das Fundament, auf dem diese Identität neu errichtet wird. Die Sucht selbst, beziehungsweise das Suchtverhalten, hat lange einen großen Teil meiner Identität ausgemacht. Dadurch, dass ich das jetzt ablege, habe ich Zeit und Energie, mir neue Dinge aufzubauen. Das braucht Zeit und Raum. Den werde ich mir bewusst nehmen und nicht in andere Dinge stecken.

Deswegen höre ich beim Anfall auf. Deswegen minimiere ich bewusst meine Aufgaben fürs Kidscamp. Damit ich den Fokus darauf lege, die notwendigen Dinge in meinem Arbeitsleben zu machen und nicht meine Freizeit dafür zu opfern. Damit ich mir nachhaltig gute Gewohnheiten aufbauen kann, für wichtige Ziele wie mein persönliches Wohlbefinden, dass es meiner Familie gut geht, und dass ich bereit werde für eine Beziehung, die realistisch und gesund ablaufen kann. Hier zählt für mich die höchste Qualität dessen, was ich will, was ich machen will und was ich zu tun habe. Weniger die Dinge, von denen ich denke, dass ich sie tun muss, und die Verantwortung, die ich mir aufgehalst habe, weil ich denke, es wäre eine gute Idee oder weil ich mich schuldig gefühlt habe, Dinge zu tun, nur weil ich sie kann. Theoretisch kann ich vieles tun, aber ich will es teilweise nicht tun. Und ich habe wichtigere Dinge zu tun.

Viele Leute haben mir das schon oft gesagt. Jetzt macht es langsam Klick, auch weil ich mich hier nochmal anders beobachte. Besonders beim Spieleabend heute. Früher hätte ich gedacht, ich müsste teilnehmen. Jetzt habe ich mich bewusst entschieden, diesen Blogeintrag zu schreiben, mich zu erholen, zu reflektieren und ein bisschen mit Leuten zu schreiben. Früher hätte ich mich schlecht gefühlt, weil ich die Gelegenheit hätte nutzen müssen, neue Leute kennenzulernen, voll da zu sein, Leute zu unterhalten und nach ihnen zu schauen. Jetzt merke ich, das sind Dinge, die ich tun könnte, aber nicht tun muss, und teilweise gerade auch nicht tun will, weil andere Dinge für mich wichtiger sind.

Das ist einerseits schön, andererseits traurig, dass ich das erst mit 32 lerne. Bitter. Aber besser spät als nie. Jetzt noch etwas reflektieren, vielleicht kurz telefonieren, und dann versuchen, den Abend noch ein bisschen zu genießen, aber nicht zu lange, damit ich morgen noch genug Ressourcen für den restlichen Input habe.

Der Input selbst war viel Wiederholung von Dingen, die ich eigentlich schon weiß. Gleichzeitig hat er mir nochmal gezeigt, dass Theorie allein nicht reicht, sondern die Praxis entscheidend ist. Das lässt sich gut mit den Helfern im Camp üben, und es gibt viele Parallelen zu Dingen, die mir helfen und auch anderen helfen werden. Gleichzeitig hat es mich darin bestätigt, dass das, was ich im Camp mache, bereits gut ist und dass ich gute Gewohnheiten habe, mich um andere zu kümmern und sie zu stabilisieren. Nur nicht auf meine eigenen Kosten.

Vielen Dank fürs Lesen. Ich wünsche ein schönes Restwochenende.