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14. Woche | 96. Tag. Nochmal Brett und Bohne

Ich bin ziemlich frustriert, weil der eigentliche Eintrag für Freitagabend offenbar nicht gespeichert wurde. Vermutlich habe ich die Speichertaste nicht gedrückt. Deshalb eine zweite Version von gestern. Insgesamt war der Freitag nach dem Einzel sehr entspannt. Es war gut, aber auch sehr viel Input, viel Besuch und viele Reize.

Morgens war die Gruppe zum pathologischen Kaufverhalten. Wir haben über Rückfallprävention, Budgets und Dinge gesprochen, die man gerne früher gewusst hätte, bevor man in die Klinik kommt. Die Gruppe ist komplett neu zusammengesetzt, alle aktuellen Mitglieder sind neu.

In der Gruppentherapie ging es grob um das Familienthema. Abgrenzung, Verantwortung für andere, und wo diese Verantwortung endet. Mein Fazit war, dass ich dafür inzwischen eine recht stabile Perspektive habe. Ich will auf meine eigenen Ressourcen achten, und das wird von meiner Familie respektiert, wofür ich dankbar bin. Gleichzeitig muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass jeder für sein eigenes Leid verantwortlich ist. Wenn niemand um Hilfe bittet, kann man nicht helfen. Und wenn Hilfe nicht erwünscht ist, dann ist das so, und ich muss damit leben.

In der Sporttherapie haben wir den „goldenen Knoten“ gemacht. Eine dankbare Übung für Gruppendynamik und Selbstwahrnehmung. Es gab keine großen neuen Erkenntnisse, aber eine Bestätigung: Ich habe inzwischen ein gutes Gefühl dafür, was Gruppen brauchen und wie man sich darin sinnvoll bewegt. Besonders wichtig war für mich, dass Zurücknehmen, Einstecken und Anweisungen geben kaum noch an meinen Selbstwert gekoppelt sind. Ich hatte bei der Übung keine emotionalen Trigger. Anders wird es sicher bei festen Hierarchien, was mit Blick auf die Arbeit wieder ein Thema wird, aber da bin ich vorsichtig zuversichtlich.

Mein zentrales Take-away: Wenn ich mit mir im Reinen bin, nicht zu unsicher und nicht zu überangepasst, habe ich genug soziale Fähigkeiten, um mit anderen klarzukommen. Ich unterschätze das noch oft. Vor allem, weil ich nicht mehr everybody’s darling sein will oder muss. Das gibt mir deutlich mehr Handlungsspielraum. Das im Alltag zu leben bleibt eine Aufgabe, aber Schritt für Schritt.

Später kam kurz meine Familie vorbei. Es war etwas kurz und ein bisschen awkward, aber schön. Wir werden uns bald häufiger zuhause sehen. Ich habe klar kommuniziert, dass es nach der Entlassung nicht sofort „gut“ sein wird. Mein erstes Ziel ist Stabilisierung, keine neue Karriere und keine neue Beziehung. Abstinenz steht an erster Stelle. Mit Zeit und funktionierenden Routinen werden die anderen Themen deutlich einfacher.

Nachdem meine Eltern meinen Kram mitgenommen hatten, konnte ich kurz runterkommen, duschen, dann kam schon der nächste Besuch. Abends ging es nochmal in die Bowle zum Abschlussabend. Wir haben gespielt, geredet, neue Leute kennengelernt. „Blood on the Clocktower“ ist für mich klar besser als Werwölfe, aber nach einem emotionalen Tag auch sehr anstrengend. Trotzdem viele gute Gespräche über die Zeit danach.

Es wurde spät. Nachts noch Austausch über Selbsthilfegruppen, dann ins Bett. Der ursprüngliche Eintrag ist weg, dieser hier ist geblieben. Danke fürs Leben bis hierhin. Jetzt schreibe ich gleich den neuen Eintrag für heute.