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10.Woche | 69. Tag. Samstag

Kurze Version:

Zeitlang gezielt alleine sein war heute erfolgreich.

Ich bekam heute leider keinen Besuch, das war kurzfristig zu schwierig mit den Öffis, aber der Termin für nächste Woche steht.

Ich habe an den Glaubenssatz-Arbeitsblättern gearbeitet.

Aufgrund der Unsicherheit mit dem Besuch hatte ich heute in der ersten Hälfte des Tages hohen Suchtdruck.

Zum Alleinsein: Ich habe heute insgesamt vier Stunden aktiv Menschen vermieden und mich in ungefähr halbstündigen oder dreiviertelstündigen Zeiträumen mit mir beschäftigt, ohne direkt etwas zu tun oder aus Emotionen oder Empfindungen rauszugehen. Wenn etwas hochkam und ich mich damit beschäftigt hatte, habe ich es mir aufgeschrieben, um später noch einmal darauf zurückzukommen oder falls eventuell aktive Schritte notwendig sind. Das lief sehr gut und hat mein Selbstvertrauen dahingehend erhöht. Ich hatte in diesen Zeiten immer wieder emotionalen Zugang und nicht nur tonnenweise To-dos, die aufgeploppt sind. Ich habe mich vor allem müde gefühlt und Sorgen für die Zukunft gehabt. Sorgen um Familienmitglieder und Freunde. Ein paar interessante Gedankengänge sind auch aufgetaucht, zum Thema zukünftige Arbeitsplätze und Optionen. Ich war nicht die ganze Zeit nur beim Fühlen und Sein, sondern auch immer wieder beim aktiven Machen von Dingen, die für mich gesund wirken, weil bloßes Sein ja eher ein Zwischenzustand ist. Irgendwann will man dann ja auch ins Machen kommen, und ich glaube, ich nähere mich einer gesunden Balance und dass ich schneller dahin komme, wo ich sein will.

Zum Besuch: Das mit dem Besuch ist natürlich echt schade, aber ich verstehe auf jeden Fall die Überforderung und dass die Idee dann doch sehr spontan war. Dafür freue ich mich jetzt besonders auf nächste Woche. Ich konnte sehr gut mit dem Unsicherheitsgefühl arbeiten und habe mich immer wieder damit beschäftigt, was da mit mir passiert ist. Das war sehr wertvoll, und ich glaube, dass ich das nächste Mal ein paar neue Strategien ausprobieren kann, beziehungsweise welche, die jetzt schon geklappt haben.

Zum Suchtdruck: Dieser hat sich neu präsentiert. Damit will ich mich jetzt erst einmal teilweise beschäftigen. Meine Abstinenzentscheidung ist sehr sicher, zumindest bis jetzt. Was sich jetzt entwickelt hat, in meinem Kopf, ist der Gedanke, Geschichten mit erotischen Inhalten zu schreiben. Das hatte ich aber explizit auf meine rote Ampel gesetzt, weil ich wusste, dass das ein kritisches Potenzial hat. Ein Teil in meinem Schädel hat sich darauf versteift, dass es sinnvoll wäre, das wieder auszuprobieren. Dabei weiß ich ganz genau, dass das zum Rückfall führt. Deshalb konnte ich heute mehrmals meine Notfallkarte ausprobieren. Das hat gut geklappt, aber der Suchtdruck ist immer wieder aufgetaucht und die Idee ebenfalls. Was den Suchtdruck letzten Endes aufgelöst hat, war der Moment, in dem ich wusste, dass niemand zu Besuch kommt. Dann war die Unsicherheit weg, und die Planungssicherheit und Eindeutigkeit haben mir sehr geholfen, und dann lief das Arbeiten insgesamt viel besser. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Suchtdruck ein Zeichen von Überforderung ist und bleiben wird, solange ich kein passendes Ersatzverhalten habe, um die Ursachen gut zu adressieren. Ich habe mir jetzt vorgenommen, dass ich, wenn ich merke, dass der Mangel an einem Termin mich stresst, entweder aktiv beginne nachzufragen und mir die Informationen von den Personen zu holen, von denen ich abhängig bin, oder mich aktiv davon abgrenze und der Person Limits setze, sodass ich um sie herum planen kann. Was ich heute gemacht habe, war vor allem trotzdem weiterzuarbeiten beziehungsweise weiter bei mir zu sein und mich damit zu beschäftigen. Das hat gut geklappt, aber diese innere Unruhe und Unsicherheit sind immer wieder hochgeploppt. Wenn ich so ein Thema draußen im Arbeitsalltag oder an einem Wochenende habe, werde ich mir auf jeden Fall konkrete Kriterien nehmen. Wenn der Suchtdruck zu hoch ist, sage ich die Aktivität ab oder fordere etwas Aktives ein. Wenn der Suchtdruck zu hoch ist und ich die Aktivität aber nicht absagen kann oder will, dann kann ich mich auf die Skill-Kette verlassen, brauche aber eine längerfristige Ablenkung in Form von Menschen, Draußensein oder Handy abgeben, was ich noch irgendwie in die Ampel einbauen werde. Ich weiß noch nicht ganz, wie. Es gefällt mir nämlich gar nicht, wo meine Gedanken hingegangen sind, und wie ich gemerkt habe, dass das wiederholte Auftreten dieser Gedanken dazu geführt hat, dass die Abstinenzentscheidung in diese Richtung bereits nach Löchern abgetastet wurde von meinem eigenen Gehirn und ich ins Rechtfertigen und Erklären kam. Gleichzeitig hat die Ampel sehr geholfen, und weil ich wusste, dass das zu ekligen Bildern, Rückfall und Kontrollverlust führt, hat mir das geholfen, bewusst Nein zu sagen.

Viele Grüße und gute Nacht