Bin stolz auf mich und verletzt.
Der Tag in kurz:
Ich habe heute endlich meinen Schreibtisch freigeräumt.
Es gibt noch viele To-dos, aber alles ist entweder in der Inbox, auf der Warteliste oder bereits erledigt. Ich konnte mich spontan mit einer Freundin treffen und Tee trinken. Es war sehr schön und hat Spaß gemacht.
Ich wurde als Schatzmeister entlastet, und der Club macht jetzt Pause bis Mai. Ich habe keine neuen Aufgaben übernommen, muss aber noch den Stand der Steuererklärung und die Mitgliedsbeiträge abschließen. Das Gespräch wurde am Ende etwas traurig, weil der Verein große Probleme hat. Ich bin dann gegangen, weil ich zur Arbeit musste.
Auf der Arbeit war heute, typisch für einen Samstag, viel los. Das Team war gut, und wir kamen gut zurecht.
Mehr Details zu heute: Stolz bin ich vor allem, weil ich mein Amt offiziell abgelegt habe. Auch wenn noch zwei Aufgaben zu klären sind, habe ich danach eine belastende Verantwortung weniger. Das fühlt sich richtig an. Ich bin auch stolz, weil ich seit Langem wieder jemanden nah genug an mich herangelassen habe, um mich verletzen zu können. Das habe ich erst dadurch gemerkt, dass mich etwas verletzt hat, das mir bei einer anderen Person egal oder höchstens leicht unangenehm gewesen wäre. Es tut weh. Aber es zeigt auch, wie weit ich gekommen bin.
Wichtig war für mich, wie ich damit umgegangen bin. Ich habe mich im Laufe des Tages immer wieder mit dem Gefühl beschäftigt, nachdem es mir bewusst geworden ist. Ich habe mich nicht aktiv abgelenkt, es nicht relativiert und nicht wegerklärt. Trotz der Belastung bin ich auf der Arbeit konzentriert geblieben, habe mir zwischendurch bewusst kurze Momente genommen, um es zu fühlen, und danach weitergemacht. Als ich nach Hause kam, habe ich mich nicht abgelenkt, sondern mir angeschaut, was genau passiert ist, und erst dann reagiert. Nach der Reaktion bin ich immer noch verletzt und gespannt, welche Antwort kommen wird. Ich bin auch gespannt, wie oder ob das Ganze heilen wird.
Aktuell hinterfrage ich generell mein Wertesystem, meine Gewohnheiten und meine Beziehungen. Einerseits habe ich Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Empathie, Nähe und Authentizität als Kernwerte für mich benannt. Gleichzeitig merke ich, dass andere Werte und tief sitzende Gewohnheiten diesen widersprechen oder mein Denken und Handeln stärker beeinflussen, als mir bewusst war. Die vielleicht unangenehmste Erkenntnis ist, dass man selbst für wohlwollende Menschen zu viel sein kann, oder zumindest einzelne Aspekte von mir zu viel sein können.
Ich habe mich bewusst entschieden, vieles davon erst einmal allein zu durchdenken. Die Intensität und Art der Impulse, die heute als Reaktion in mir hochgekommen sind, fand ich sehr spannend. Da war viel Trauer, aber auch Wut. Ich erschrecke mich immer wieder davor, wie grausam ich sein könnte.
Gleichzeitig bin ich sehr dankbar und auch stolz, dass ich heute deutlich mehr Impulskontrolle und Reflexionsfähigkeit habe als früher, sodass ich diese Seite nicht auslebe. Noch bin ich unsicher, wie weit ich mich selbst verletzen lassen will, wenn jemand verletzt ist oder durch mein Verhalten verletzt wurde. Diese Grenze suche und ziehe ich noch. Trotzdem empfinde ich diese Situation insgesamt als ein großes Geschenk.
So viel zum Thema Achtsamkeit. -.-*
Es ist schon recht spät, deshalb gehe ich jetzt schlafen. Mehr Details vielleicht morgen.
Vielen Dank fürs Mitlesen.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!